Wochenbett in Quarantäne!

Was erstmal erschreckend klingt ist auf den zweiten Blick gar nicht so unnormal.
In eigentlich allen mir bekannten Wochenbettkulturen, wurde und wird, die Wöchnerin und ihr Neugeborenes die ersten Wochen nach der Geburt von der Außenwelt abgeschottet. Dies hatte unter anderem auch den Grund, die Mutter und ihr Baby von den Infektonsgefahren, die überall lauern konnten, fernzuhalten. Früher waren die Hygienestandards sicherlich noch völlig andere als heute und die Gefahr dahingehen deutlich höher. Dennoch liegt im Grundgedanke Mutter und Kind, beide mit schwachem Immunsystem, vor der Außenwelt zu schützen, eine Parallele zu der aktuellen Situation der Pandemie.
Der Rückzug von Mutter und Kind in einen sicheren Raum birgt viele positive Seiten. Dein Neugeborenes dankt es dir vermutlich sehr, wenn Reize jeglicher Art wohl dosiert auf es einströmen.
Alles ist neu.
Und auch du, liebe Mama, bist irgendwie „neu“. Jede Frau wird dir erzählen, dass sie das Mutter werden verändert hat. Inzwischen ist erwiesen, dass sich auch das Gehirn tatsächlich verändert. Das Wochenbett wird daher seit jeher als eine Zeit des Rückzugs betrachtet. Eine Zeit des Ankommens, Kuschelns, der Wärme und Liebe. Erholung und Heilung stehen im Vordergrund. Ich möchte dich liebe Schwangere einladen, gerade jetzt in diesen aufwühlenden Zeiten der Pandemie dein Herz dafür zu öffnen. Das allgemein empfohlene Social Distancing für euch zu nutzen um ein inniges, gemeinsames Wochenbett zu genießen. Als Retreat, als Baby-Flitterwochen, als Zeit nur für euch, für DICH und um euch gemeinsam als Familie neu zu finden.

Mama werden.

Ganz klar, zuallererst darfst du für dich klären, wo deine Geburt stattfinden soll. Die Möglichkeiten reichen von einer Geburt im Krankenhaus mit oder ohne Beleghebamme, im Geburtshaus oder eine Hausgeburt. In allen Fällen gibt es aktuell Besonderheiten aufgrund der Pandemie die du im Vorfeld soweit möglich abklären solltest. Falls du im Krankenhaus gebären möchtest, informiere dich auch über die Bestimmungen die für die Wochenbettstation gelten. Vielleicht ist eine ambulante Geburt für dich eine passende Option. Dann gehst du mit deinem Baby nach einigen Stunden nach Hause. Vorausgesetzt Mutter und Kind geht es gut. Für eine Ambulante Geburt benötigst du übrigens eine Wochenbett Hebamme, die du über deinen Wunsch informiert hast und die dann zur Verfügung stehen kann. Die passende Hebamme für deine Wunschgeburt zu finden, ist sicherlich immer Voraussetzung und oft nicht ganz einfach. Mit oder ohne Corona. Hierfür wünsche ich dir alles gute.*

Und dann seid ihr irgendwann zu Hause, ob direkt nach der Geburt oder nach ein paar Tagen. Dies ist erstmal ganz unabhängig von sämtlichen Pandemie oder Lockdown Bestimmungen. Trotzdem wirkt sich Covid-19 irgendwie auch auf dein Wochenbett aus. Wenn auch vielleicht nicht ganz so drastisch wie es auf den ersten Blick scheint.

Wie organisiere ich mein Wochenbett in der Pandemie?

Die Wochenbett Hebammen werden die erste Zeit persönlich nach dir und dem Baby sehen, mit Einhaltung der aktuellen Empfehlungen und unter Rücksichtnahme deiner und der eigenen Bedürfnisse. Später wird teilweise abgewogen ob manche Termine online stattfinden können. Besprich alle Sorgen und Ängste genau wie deine Wünsche und Bedürfnisse mit deiner Hebamme.

Das Wochenbett ist seit jeher eine Zeit des Rückzugs. Des neu Sortierens und der Transformation.
Es ist eine besondere einmalige Übergangszeit.
Immer
und genauso
auch jetzt.
Ich möchte dich einladen und ermutigen, diese Zeit der Mama-Baby Corona-Quarantäne vorzubereiten und sie mit Freude anzunehmen.

Wie du dein Wochenbett JETZT vorbereiten kannst ist im wesentlichen nicht soooo viel anders als sonst. Siehe auch ergänzend „10 Tips wie du dich auf dein Wochenbett vorbereiten kannst“

Da es vielleicht gerade aktuell noch schwerer ist, Menschen zu finden und da haben zu wollen, die bei euch zu Hause für die Mutter kochen ist Meal Prep key. Vorkochen, einfrieren, Speisekammer auffüllen, Kühlschrank gefüllt haben, Portionsgrößen vorbereiten, Snacks vorbereiten …
Denke auch an Getränke. Eine Thermoskanne in der Geburtstasche, die dann auf der Wochenstation mit warmem Tee gefüllt wird ist sooo wohltuehnd. Und während des gesamten Geburtsprozesses ist eine warme Kraftbrühe eine sehr bekömmliche und energieliefernde, leichte Kost. Ich empfehle dir auch einen Stilltee oder Fenchel, Anis, Kümmeltee mit zunehmen. Nicht nur für die Milchbildung sondern auch für die Verdauung.

Organisiere dir dein Dorf, auch gerade JETZT!

Es kann einfach nicht oft genug wiederholt werden, wie wertvoll Helfende Hände sind. Immer.
Da vermutlich die meisten Eltern und Schwiegereltern aktuell zu den potentiellen Risikogruppen gehören, ist es um so wichtiger, dass hier Freunde, Verwandte, Bekannte und Nachbarn einspringen. Trau dich sie anzusprechen und um Hilfe zu bitten.
Menschen die euch unterstützen in den ersten Wochen sind wahre Engel für die Familien und können einen großen Unterschied machen. Die meisten Menschen helfen gerne wenn du ihnen genau sagst, was sie für dich und euch tun können.

Ohne direkten Kontakt können liebe Menschen eine warme Mahlzeit vorbei bringen und vor die Tür stellen.

Eine weitere Wohltat ist es, einem lieben Menschen einen vollen Wäschesack in die Hand zu drücken und ihn von diesem waschen zu lassen.

Und wer soll Aufräumen und Putzen

Zuallererst, es darf in dieser Zeit unordentlich sein. Aktuell ist es ja eher so, dass sowieso kein Besuch kommen wird, Corona sei Dank. Die Hebamme stört sich ganz gewiss nicht daran und du bleibst am Besten in deiner Kuschelhöhle mit deinem Säugling. Vertraue den restlichen Familienmitgliedern, dass sie tun was sie können und für nötig empfinden.
Sicherlich sind auch hier Bedürfnisse sehr unterschiedlich. Wenn es dir ein starkes Anliegen ist, dass ab und an sauber gemacht wird, darfst du auch darum Menschen bitten oder ihr engagiert eine Putzkraft. Es muss ja nicht immer alles gemacht werden, vielleicht übernehmen die Essenslieferer oder Wäsche Wascher/innen 😉 einen Bereich.
Zur Zeit natürlich immer unter Berücksichtigung von Social Distancing und den besonderen Hygiene Maßnahmen, den aktuellen Angaben entsprechend. Danach alle Räume gründlich durchlüften.
Das Zimmer der Schwangeren und des Neugeborenen darf dabei aktuell allerdings gerne ausgelassen werden. (Falls die Mama den Wunsch nach „mal saubermachen“ hat, darf hier der/die Partner/in oder ein Geschwisterkind einspringen und sauber machen. Vielleicht erfindet ihr ein Spiel dazu?)

Wer kann Einkäufe, die trotz Vorbereitung nötig sind, für euch erledigen?
Einkaufstüten können ohne Kontakt vor die Tür gestellt werden 😉
Schreibe alles was du nicht vorbereiten konntest aber gerne möchtest auf einen vorbereiteten Einkaufszettel. Beispielsweise Zutaten für eine Gemüse- oder Hühnerbrühe die dann einfach von deiner/m Partner/in für dich gekocht werden kann. Alles was dann aktuell noch anfällt kann ergänzt werden und dann an ein Helferlein gegeben.
Der Einkaufszettel kann auch digital sein und per Mail verschickt werden.

Wenn der Wunsch besteht die Eltern oder andere Verwandte oder Freunde zu sehen dann bietet die Verbindung über Video Chat eine Alternative zum Live Treffen. Oder ein einfaches Telefonat. Jaaa ich weiß, es ist nicht das gleiche. Aber vielleicht ist ja auch diese Ruhe genau das richtige für euch. Über den digitalen Weg sind „Besucher“ viel einfacher zu steuern. Vielleicht ist es für den Moment ausreichend ab und an ein Bild oder Video per Sms/Mail zu versenden. Und sicher auch mal eines zu bekommen! Es gibt übrigens auch digitale Fotoalbum Apps die von allen Familienmitgliedern gemeinsam gefüllt und eingesehen werden können.

Suche dir gegebenenfalls schon mal eine Online Stillberaterin heraus. Und frage die Kapazitäten an. Oder melde dich direkt beim Stillvorbereitungskurs von Tabea Laue an.**

Bei Zweit- oder Dritt- etc. Schwangerschaften stellt sich die Frage wie die Geschwisterkinder betreut werden sollen, generell und jetzt ganz besonders. Sicherlich ist das der Bereich, für den es am schwierigsten ist pauschale Lösungen anzubieten. Die individuellen Situationen sind oft sehr unterschiedlich.
Vielleicht gehen Geschwisterkinder sowieso in Kita/Kindergarten/Schule und das ist auch weiterhin so o.k. für euch. (Händewaschen und versuchen gesund zu bleiben versteht sich von selbst 😉 )
Freunde oder Verwandte oder eine(n) vertrauenswürdige(n) BabysitterIn unternehmen etwas mit den großen Kind(ern). Am Besten draußen. Spielplatz oder Wald und Wiesen, auf Bäume klettern, eine Radtour mit Picknick (schön warm eingepackt), In Pfützen springen oder im Regen tanzen, ein Feuer im Garten machen und Marschmellows grillen…. Sicherlich nur wenn ihr Eltern euch damit wohl fühlt.
Große Geschwister helfen oft gerne bei der Bemutterung. Trau es ihnen zu und lass Papa und Kinder machen.
Weitere Anregungen zu Geschwisterkinder allgemein findet ihr auch in einem bald folgenden Artikel dazu.

Allgemein halte ich, vor allem in der Coronazeit für wichtig, immer wieder auch in Mamas Zimmer zu lüften.
Anmerkung: Zugluft wird in vielen Wochenbettkulturen als eine Gefahr für Mutter und Kind gesehen und ist sehr gefürchtet. Ich empfehle hier achtsam zu sein und dein Neugeborenes und dich gut einzupacken und vor allem auch die Ohren und den Kopf zu bedecken. Dann sollten keine Zugluft bedingten Krankheiten auftreten.

Besorgt möglichst alles was ihr für die ersten Wochen braucht in ausreichenden Mengen im Vorfeld. Für die Erstausstattung für Mama und Baby gibt es zahlreiche Listen im Internet oder frage deine Hebamme. Und IHR dürft auch ein Lager an Klopapier anlegen.;) Oder vielleicht ist eine Podusche jetzt eine gute Investition? Diese kann in den ersten Wochen nach der Geburt in mancherlei Hinsicht für Wohltat sorgen.

Erledigt alle Amtsgänge für Anträge etc. Im Vorfeld. Füllt allgemein schon so viel wie geht aus.

Packe ein paar persönliche Gegenstände in die Geburtstasche. Vielleicht darfst du sie trotz Coronamaßnahmen in deinem Zimmer aufstellen oder zumindest kannst du sie für dich rausnehmen und ansehen oder befühlen. Besonders wenn Besuch untersagt sein sollte kann dir das ein wenig Wohlgefühl vermitteln. Kläre die Bedingungen die aktuell auf der Wochenbettstation vorherrschen im Vorfeld ab.

Du darfst auch in diesen Tagen über professionelle Unterstützung nachdenken. Neben speziellen Essenslieferservicen für’s Wochenbett gibt es beispielsweise Mütterpflegerinnen, Doulas, Haushaltshilfen oder Ehrenamtliche vom Sozialunternehmen Wellcome. (Siehe Tip 10 des Blogartikels „10 Tips wie du dich auf dein Wochenbett vorbereiten kannst“)
Zur Zeit kann es allerdings sein, dass all diese Dienste ihren Service gegebenenfalls aktuell nur eingeschränkt oder gar nicht anbieten. Hier ändern sich momentan täglich die Vorgaben, informiere dich rechtzeitig nach Kapazität und den aktuellen Bedingungen.

Du möchtest DANKE sagen?

Wie wäre es wenn ihr (oder das große Geschwisterkind) ein Babybild ans Fenster hängt und vielleicht mit Fensterfarbe Geburtstag, Größe und Gewicht dazu schreibt. Auch ein paar Worte des Dankes können so an die HelferInnen kommuniziert werden. Oder ihr legt Dankeskarten nach draußen zum mitnehmen…
Auch der Weg über die digitalen Medien ist einer um danke zu sagen, Mail oder sms … , genauso wie der Postweg.

Du siehst, die hier aufgelisteten Tips unterscheiden sich kaum vom „normalen“ Wochenbett ohne Corona. Wenn die Pandemiebedingten Vorgaben wie regelmäßiges Händewaschen, Mundschutz, Abstand, Desinfektion … beachtet werden um eine Infektionsgefahr weitestgehend zu minimieren.

Sicherlich ist zusätzlich besonders zu beachten, dass Ängste auf beiden Seiten oft unterschiedlich sind. Bestimmungen sind unterschiedlich und jede Situation ist individuell. Ich denke es ist gerade jetzt besonders wichtig, Respekt vor den eigenen Wünschen, Gefühlen und Bedürfnissen und denen der anderen mitzubringen. Besonders auch der Hebammen, die wir jetzt mehr brauchen denn je.

All diese Punkte sind Anregungen und dürfen von jeder Mama und Familie individuell angepasst werden.

Du fühlst dich überfordert beim Gedanken aktuell dein Wochenbett für dich zu organisieren?
Gerne unterstütze ich dich mit Ideen, bei deiner Planung und Umsetzung für dein selbstbestimmtes und erholsames Wochenbett in der Pandemiezeit.
Kontaktiere mich hier.

Wir finden einen Weg.

P.S. Ich gehe hier von gesunden Müttern und Babys aus. Die weder an Corona noch anderen medizinisch notwendigen Erkrankungen leiden. Dies erfordert immer besondere, individuell angepasste Handlung.

*(Keleya hat mit dem Deutschen Hebammenverband eine Suchplattform entwickelt: https://www.ammely.de und für die Aktuelle Situation gibt es eine Facebook Gruppe „Schwanger und Geburt Hebammen-Support in der Coronazeit von Keleya“!  (Unbezahlte Werbung freiwillig. Für euch entdeckt. Nicht selbst getestet.)

** Werbung da Verlinkung. Freiwillige Empfehlung.

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